
Indonesisches Weben ist eine lebendige Tradition voller einzigartiger Techniken, Materialien und Motive; es ist so vielfältig wie groß der Archipel ist. Einen Monat in Indonesien und Timor-Leste zu reisen reichte bei weitem nicht aus, um alles zu lernen, was ich wollte, aber es gab mir einen schönen Einblick in ein reiches kulturelles Erbe, das von den Indonesiern selbst sehr geschätzt wird.
Der allgemeine Begriff für Weben in Indonesien ist *tenun*. Es gibt viele Stile gewebter Stoffe, und sie unterscheiden sich stark von Insel zu Insel.
Verschiedene Webstile und -techniken
*Lurik* ist ein einfacher handgewebter Stoff mit gestreiften Mustern, der von Java stammt.
*Ikat* ist eine weitere bedeutende Technik, bei der Fäden vor dem Weben gebunden und gefärbt werden, um aufwändige Muster zu erzeugen. Das Binden erfolgte früher aus dem Gedächtnis; heutzutage zeichnen die meisten Leute ein Muster auf den Kettfaden und arbeiten davon weiter. Einfaches ikat wird mit Weiß und einer kontrastierenden Farbe hergestellt, aber kompliziertere Stücke haben mehrere Schattierungen, was bedeutet, dass die Kette mehrfach gebunden, gefärbt, wieder entbunden und erneut gebunden werden muss.




*Songket* ist ein luxuriöser Stoff, der mit Gold- oder Silberfäden durchzogen ist und besonders in Sumatra und Bali beliebt ist.
*Endek* aus Bali zeichnet sich durch lebendige Farben und markante zeremonielle Muster aus.
Eine andere Größe = ein anderer Name.
In Indonesien werden traditionelle Gewebe oft nach ihrer Größe, ihrem Verwendungszweck oder regionalen Merkmalen benannt. Hier sind einige Beispiele:
Sumatra und Java:
-
Kain Panjang
- Ein langes Stück Stoff, das typischerweise als Wickel oder für zeremonielle Zwecke verwendet wird.
-
Slendang
- Ein schmales, langes schalartiges Textil von etwa 80-180 cm, das als Schal, Babytrage oder zum Transport von Lebensmitteln vom Markt verwendet wird.
-
Sarong
- Ein röhrenförmiger Stoff, der durch Zusammennähen von Webbahnen entsteht und als Rock getragen wird.
Bali und Lombok:
-
Kamben
- Ein breites Stoffstück, das als Sarong oder Tempelkleidung getragen wird.
-
Cepuk
- Kleinere, kunstvoll gemusterte Gewebe, oft zeremoniell oder dekorativ.
Nusa Tenggara:
-
Hinggi (Sumba)
- Große, rechteckige gewebte ikat-Stoffe, die als Körperwickel oder zeremonielle Tücher verwendet werden.
-
Sekomandi (Sulawesi)
- Große zeremonielle Tücher, oft hoch symbolträchtig.
-
Tais (Timor)
- Typischerweise kleinere handgewebte Tücher, die für traditionelle Kleidung oder als Geschenke verwendet werden.
Kalimantan und Papua:
-
Betang (Dayak textiles)
- Dies sind lange, schmale gewebte Bänder, die als Schmuck oder Accessoires verwendet werden.
-
Noken (Papua)
- Eine traditionelle, geknüpfte Tasche aus Stoff, der auf einem Rückengurtwebstuhl gewebt wurde.
Trivia des Tages: Das *gringsing*-Tuch aus dem Dorf Tenganan auf Bali ist eines der seltensten Textilien der Welt, weil es eine Doppel-ikat-Technik verwendet. Sowohl die Kett- als auch die Schussfäden werden vor dem Weben mittels Resistfärbung behandelt, was außergewöhnliche Präzision erfordert. Was es noch besonderer macht, ist die Überzeugung, dass der Prozess mystische Eigenschaften hat. Das Wort "gringsing" lässt sich mit "keine Krankheit" übersetzen (*gring* bedeutet krank und *sing* bedeutet nein), und dem Tuch wird zugeschrieben, Krankheit und böse Geister abzuwehren. Es kann mehrere Jahre dauern, ein einzelnes Stück fertigzustellen.
Wie wird es hergestellt?
Indonesisches Weben erfolgt auf traditionellen Webstühlen. Der *gedogan* ist ein Rückengurtwebstuhl, und viele Frauen nutzen ihn noch. Der Webstuhl wird an eine Stange des Hauses gebunden, und wenn sie fertig sind, falten sie ihn einfach zusammen und verstauen ihn. Diese Frau webt Ikat auf ihrem Handwebstuhl an der Küste der Insel Sumba. Auf Sumba ist Weben Frauensache, aber die Männer helfen beim Färben und Binden.
Der *ATBM* (Alat Tenun Bukan Mesin) ist ein handbetriebener Webstuhl mit zwei oder mehr Schäften. Der Webprozess umfasst *pakan* (Schussfäden) und *lusi* (Kettfäden), die zusammen das Fundament des Stoffes bilden.
Die ATBM-Webstühle befinden sich meist an einem festen Platz, an dem mehrere Weberinnen für einen Patron zusammenarbeiten. Die Webstühle sind aus Holz, und erfahrenere Weberinnen arbeiten mit Vier-Schäft-Webstühlen, um Köper- oder Diamantmotive zu fertigen.
Diese Weberin fertigt indigoblauen Denim bei CraftDenim, einem Studio für umweltfreundliche, handgefertigte Kleidung.
Ikonographie spielt eine bedeutende Rolle in indonesischen Textilien. *Rangrang*, mit seinen markanten dreieckigen Mustern, stammt von Nusa Penida, Bali. Das *tumpal*-Motiv, oft als Bordürendesign zu finden, zeigt Dreiecke, die Schutz und Stärke symbolisieren. Weitere ikonische Muster sind *parang*, ein diagonales Motiv aus Java, und *sekar jagad*, das eine Weltkarte symbolisiert und Harmonie und Einheit repräsentiert.
Während meiner Reisen fand ich die sumbanesischen *ikat*-Textilien tief in spirituellen und kulturellen Bedeutungen verwurzelt. Motive von Pferden (ein Symbol für Reichtum), Hühnern (Wohlstand), Krokodilen und Vögeln treten häufig auf. Heilige Symbole, wie Totenkopf-Bäume (*andung*) und geometrische Anordnungen, spiegeln Praktiken der Ahnenverehrung und rituelle Traditionen wider.
Das Symbol, das am meisten hervorstach, war das Mamuli, am besten als Omega zu beschreiben, das die göttliche Weiblichkeit symbolisiert.
Diese Motive sind weit mehr als dekorative Elemente. Sie dienen als visuelle Sprache, die die Identität des Trägers und seine Bindung an die Gemeinschaft kommuniziert. Indonesische Textilien sind tief in rituelle und zeremonielle Praktiken integriert, werden häufig als Opfergaben, Geschenke zu wichtigen Übergängen im Leben oder als Mittel des Geschichtenerzählens verwendet und sind damit ein tiefgründiger Ausdruck des kulturellen Erbes der Inseln.
0 Kommentare