Blaudruck: Immaterielles Erbe des europäischen Blaudrucks
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Blaudruck: Immaterielles Erbe des europäischen Blaudrucks

Gedanken zu Gutaus Blaudruck-Fest, immer am ersten Sonntag im Mai

Am ersten Sonntag im Mai erwacht das kleine Mühlviertler Dorf Gutau (Oberösterreich) ganz in Blau. Marktstände breiten sich rund um den Hauptplatz aus, blau bedruckte Tischwäsche flattert auf Wäscheleinen, und aus der alten Zeugfärberei zieht der Geruch einer frischen Indigoküpe. Das ist der Färbermarkt, Europas lebendigstes Fest des Blaudrucks (Reservagedruck mit Indigo). Im Jahr 2025 fiel er auf den 4. Mai und versprach mehr als 100 Aussteller, fünfzehn aktive Blaudruck-Werkstätten und Kunsthandwerker aus fünf Ländern, alles zusammengedrängt in einem winzigen Dorf mit kaum 2,000 Einwohnern. Ich bin mit einer textilbegeisterten Freundin hingefahren, um das selbst zu erleben, und wir wurden nicht enttäuscht!

Von einer lokalen Idee zum europäischen Treffpunkt

Der Markt begann im Jahr 2000 mit einer Handvoll Ständen vor dem Färbermuseum. Heute zieht er 5,000–7,000 Besucher an und gilt als einer der schönsten Handwerksmärkte Österreichs. Gefeiert wird dabei dieses UNESCO-Immaterielle Kulturerbe

Sein Wachstum spiegelt ein breiteres, erneuertes Interesse an naturgefärbten Textilien wider: Vorführungen umfassen heute Live-Druck mit hölzernen Modeln, Führungen durch das Museum (mit der letzten original erhaltenen Färberei-Ausstattung des 19. Jahrhunderts), Volksmusik auf den Kirchenstufen und sogar die Möglichkeit, den barocken Turm zu besteigen und den Blick von oben auf die wehenden blauen Stoffe zu genießen.

Warum Blaudruck wichtig ist

Der Blaudruck gelangte im 17. Jahrhundert über klösterliche Handelswege von Asien nach Mitteleuropa und blühte überall dort auf, wo Flachs und Hanf zu Leinen versponnen wurden. Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Österreich-Ungarn und Deutschland Tausende Werkstätten, die alles bedruckten, von bäuerlichen Schürzen bis zu Hochzeitswäsche.

Der Prozess ist täuschend einfach:

  1. Reservieren. Eine tonartige Paste aus Gummi arabicum, Kalk und Alaun, Papp genannt, wird mit handgeschnitzten Birnbaumholzstempeln (Modeln) auf weißen Stoff gestempelt. Die genaue Rezeptur ist ein gut gehütetes Geheimnis, und ich werde ein paar Versuche machen, um zu sehen, ob ich sie nachstellen kann.
  2. Trocknen. Danach trocknet der Stoff vier Wochen lang. Die alten Gebäude tragen dem noch heute Rechnung, mit offenen Obergeschossen, die für die Belüftung der Stoffe sorgen.
  3. Färben. Der Stoff wird wiederholt in eine Indigoküpe getaucht, und die bedruckten, geschützten Stellen widerstehen der Farbe. Die alten Küpen waren Urinküpen mit Waid, später ersetzt durch importierten Indigo. Morgens wurde der nächtlich gesammelte Urin in Eimern zur Färberei gebracht. In der heutigen Museumsfärberei konnte man sehr gut sehen, wie der Stoff mit kleinen Metallhaken an einer spiralförmigen Vorrichtung befestigt wurde, damit er problemlos in die damals wie heute sehr große Indigoküpe passte.
  4. Sichtbar machen. Nach dem Spülen und der Oxidation leuchten die reservierten Muster, Sterne, Zweige, katholische Symbole, weiß vor tiefblauem Grund. Der Stoff wird anschließend kalandriert (= zwischen Kalanderwalzen bei hoher Temperatur und hohem Druck geführt), um ein glattes, glänzendes Finish zu erhalten.
  1. Indigos außergewöhnliche Waschbeständigkeit bescherte ländlichen Gemeinschaften einen strapazierfähigen, farbechten Stoff, der mit deutlich teureren gewebten Brokaten konkurrieren konnte. Lokale Druckereien entwickelten regionstypische Blockmuster, Sterne in Sachsen, Tulpen in Mähren, Edelweiß in den Alpen, sodass ein Rock sowohl handwerklichen Stolz als auch regionale Identität ausdrücken konnte. Die Technik erlaubte außerdem ein sparsames Neubedrucken: Eine viel getragene Schürze konnte erneut bedruckt und ein zweites Mal durch die Küpe geschickt werden, für ein zweites Leben.Wissenswert: „Blauer Montag“ bezieht sich auf die Färber, die montags färbten und zwischen den Tauchgängen den Oxidationsprozess abwarten mussten. So sah es aus, als hätten sie nichts zu tun.

Im Jahr 2018 wurde das Handwerk in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen, als gemeinsame Nominierung von Österreich, Deutschland, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Das Gutauer Fest ist zu einem jährlichen „Familientreffen“ dieser verbliebenen europäischen Blaudrucker geworden und bietet ein informelles Forum, um Rezepte, Beiz-Tricks und die Realitäten des Marktes auszutauschen.

Der Markt

15 Blaudruck-Handwerker erwarten Sie, dazu viele weitere Stände mit handgewebten, ecoprintgefärbten und handgestrickten Waren. Es gibt außerdem einen Food-Bereich mit regionalen Köstlichkeiten, Kaffee und Bier. Angeboten werden Stoffe als Meterware auf Baumwolle und sogar auf Vintage-Leinen sowie viele wunderschöne Accessoires. Ich habe es geschafft, keine Stoffe zu kaufen, denn ehrlich gesagt wartet zu Hause noch ein Stapel aus Indonesien darauf, zu etwas verarbeitet zu werden. Aber ich habe ein paar Geschenke für daheim mitgenommen und mir eine wunderschöne handgestrickte Strickjacke von Emma gekauft, die mir an den restlichen Tagen meines Aufenthalts sehr gute Dienste geleistet hat.

Planung Ihres Besuchs

  • Kommen Sie früh: Reisebusse treffen bereits am späten Vormittag ein.
  • Wir nahmen zwei Züge von Wien nach Pregarten und dann einen kostenlosen Shuttle nach Gutau. Eine lange Reise, aber angenehm. Zugtickets kosten etwa 90 Euro für ein Rückfahrticket und sollten vorab online gekauft werden, der Kauf am Bahnhof ist deutlich teurer!
  • Der Eintritt zum Fest beträgt 4 Euro pro Person.
  • Beginnen Sie im Museum, um die Abläufe zu verstehen, bevor Sie einkaufen.
  • Schauen Sie sich eine Küpenvorführung an in der Zeugfärberei, der Farbwechsel von Gelbgrün zu Blau wird nie langweilig.
  • Stellen Sie Fragen beim Stöbern: Jeder Drucker erklärt gern, ob das Blau aus pflanzlich angebautem Indigo oder aus einer synthetischen Küpe stammt, ob mit Handmodeln oder Rotationssieben gearbeitet wird.
  • Machen Sie einen Abstecher: Die diesjährige Sonderausstellung verbindet österreichischen Indigo mit koreanischen notan-Blaupausen, ein inspirierter Dialog zwischen Ost und West.
  • Alle Informationen finden Sie unter faerbermarkt.at

Mehr zum Lesen und Anschauen (folgen Sie ihnen gern auf Instagram)

Österreich

Original Indigo Blaudruck Koó (Steinberg-Dörfl, Burgenland)

Website originalblaudruck.at

IG @originalblaudruck

FB OriginalBlaudruck Original Blaudruck

Handblaudruck Wagner (Bad Leonfelden, Oberösterreich)

Website blaudruck.at

IG @blaudruck BlaudruckInstagram

Deutschland

Einbecker Blaudruck (Einbeck, Niedersachsen)

Website einbecker-blaudruck.de

IG @einbeckerblaudruck Einbecker Blaudruck | Seit 1638Instagram

Blaudruckerei Folprecht-Pscheida (Coswig, Sachsen)

Website blaudruckerei-folprecht.de

IG @blaudruckerei blaudruckerei-folprecht.deInstagram

Tschechische Republik

Modrotisk Danzinger (Olešnice na Moravě)

Website modrotisk-danzinger.cz

IG @jirimodrotiskdanzinger modrotisk-danzinger.czInstagram

Strážnický Modrotisk (Strážnice, Südmähren)

Website straznicky-modrotisk.cz

IG @straznickymodrotisk straznicky-modrotisk.czInstagram

Slowakei

Atelier Rabada / Matej Rabada (Čičmany)

Website atelierrabada.sk

IG @atelierrabada Ateliér RabadaInstagram

Ungarn

Kovács Kékfestő (Tiszakécske)

Website kekfestokovacs.hu

FB Kovács Kékfestő Üzlet (kein offizieller IG-Account) kekfestokovacs.huFacebook

(Ich habe jeden Link und Handle mit Stand 12. Mai 2025 überprüft. Soziale Medien können sich ändern, also rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail, wenn etwas still wirkt, in diesen Werkstätten klingeln die Telefone noch!)

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